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    Respekt vor Laienaufführung von „Oper der Opern“ – Don Giovanni

    Opernhafte Aufbruchstimmung in Bergisch Gladbach von Michael Cramer Der „Bergische Löwe“, ein Multifunktionsgebäude mit dem Charme eines Hallenbads, gebaut vom berühmten Kirchenarchitekten Gottfried Böhm, hat – im Gegensatz zum Kölner Provisorium „Staatenhaus“ – einen richtigen Orchestergraben, ist aber als Opernhaus nie so recht genutzt worden. Zumal die Stadt sich eines eigenen Orchesters rühmen kann; dieses dümpelte allerdings lange vor sich hin, bis dann wie Phönix aus der Asche ein neuer Dirigent auftauchte. Der von der Lokalpresse hochgelobte russische Pianist Roman Salyutov (34) entsann sich auch seiner Dirigierkünste und brachte das Orchester sehr achtbar auf Vordermann – die Stadt hatte auf einmal wieder ein lokales Musikleben. Aber leider keine Oper –…

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    Vibrationen des eigenen Zwerchfells – japanische Trommler in Köln

    Auch in Karnevalshochburgen flößen diese Trommeln Respekt ein ≈ 500 Schläge pro Minute 16. August 2018 Die Yamato-Trommler in der Philharmonie von Michael Cramer Köln ist die Stadt der Trommler und Percussionisten. So wirkte der österreichische Starschlagzeuger Martin Grubinger in der Philharmonie sogar als „Artist in Residence“; er kommt immer noch regelmäßig in die Domstadt. Aber auch die japanischen Trommler von „Yamato“, der japanischen Taiko-Kunst mit Instrumenten aus Baumstämmen und Tierhäuten, waren seit 2002 schon so häufig da, dass sie diesen Titel locker verdient hätten. Ständig mit neuem Programm und veränderter Choreografie locken sie immer noch die Massen in ihre Konzerte wie derzeit in die Kölner Philharmonie. Neben der unglaublichen…

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    Genuiner Barock, authentisch und in jedem Moment vibrierend

    Vielgestaltiger Barock 07. August 2018 Das Ensemble G.A.P. beim Altenberger Kultursommer Fotos und Text von Michael Cramer Es ist immer sehr begrüßenswert, wenn sich Musikensembles nach einem unterrepräsentierten Komponisten benennen, so etwa das Hábas-Quartett, welches kürzlich in Bergisch Gladbach zu erleben war; Namensgeber war hier der Tscheche Alois Hába, Verfechter der „Mikrointervall-Kompositionen“. G.A.P. hingegen sind die Initialen von Giovanni Antonio Piani (1678-1760), eines seinerzeit hochberühmten und durch ganz Europa reisenden Geigenvirtuosen, der neben zahlreichen stupenden Kompositionen ganz wesentliche Neuerungen für die Violine in Sachen Spieltechnik, Melodie und Ausdruck geschaffen hatte, quasi einen neuen „galanten“ Stil. Der Mazedonier Emilio Percan hatte dessen Musik für unsere Zeit sozusagen „wiederentdeckt“, voll Begeisterung benannte…

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    „Mare Nostrum“, selten gespielte Kagel-Oper zu seinem 10ten Todestag

    Kai Wessel und Miljenko Turk in „Mare Nostrum“ Foto: Hans-Jörg Michel Kultureller Zusammenprall 26. September 2018 Mauricio Kagels „Mare Nostrum“ im Staatenhaus von Michael Cramer Der Oper Köln kommt das große Verdienst zu, sich seit vielen Jahren kontinuierlich und ohne kritischen Seitenblick auf Rentabilität und Auslastung um die zeitgenössische Opern gekümmert zu haben, parallel zum benachbarten WDR, der bereits 1951 sein „Studio für elektronische Musik“ installiert hat. Hier und dort gaben sich alle Größen der Szene die Klinke in die Hand, davon viele in beiden Häusern, wie Langemann, Rihm, Glanert oder Stockhausen. In diese illustre Reihe gehört auch der Argentinier Mauricio Kagel, der 1957 durch ein Stipendium nach Köln kam…

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    Über 200 Fotos für das Ludwig-Museum: Eine generöse Gabe für die Nachwelt

    David Hockney: John St. Claire Swimming, April 1972 aus der Serie “Twenty Photographic Pictures by David Hockney”, 1976, 18 × 23,8 cm, Ed. 52/80 © David Hockney, Foto: Richard Schmidt Künstlerisches Festhalten 31. August 2018 „Doing the Document“ im Museum Ludwig „Sie sehen vor sich einen glücklichen Museumsdirektor.“ Glücklich war Yilmaz Dziewior nicht nur wegen des großen Medieninteresses oder der Ausstellung an sich, sondern weil er eine „ewige Schenkung“ von über 200 Fotografien deutscher und amerikanischer Fotografen präsentieren durfte, einen einmaligen Schatz, der die Fotosammlung des Museums hervorragend ergänzt und aufwertet. Der Kölner Rechtsanwalt Prof. Dr. Kurt Bartenbach und seine Frau Ursula sammeln seit 30 Jahre systematisch Fotografien, die sie,…

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    Für Rossini-Freunde ein Muss: „Il Viaggio a Reims“, ein Highlight in Amsterdam und Kopenhagen

    Rossini Il Viaggio a Reims Königliche Oper Kopenhagen Premiere am 12. März 2017 www.kglteater.dk Ein Mordsspaß in der Galerie „Das ist ein Geschenk und kein Geschenkgutschein“ soll der greise Milliardär Maersk McKinney Moeller, Chef der weltweit größten Transportfirma, ärgerlich von sich gegeben haben, als die Stadtverwaltung Kopenhagen immer wieder Einfluss auf Architektur und Ausstattung der neuen Oper nehmen wollte. Hatte doch der patriarchalische Unternehmer 2005 der Stadt ein Opernhaus auf einer eigens von ihm gekauften Insel für schlappe 335 Millionen Euro „geschenkt“, allerdings mit einer steuerlichen Meisterleistung für seine Stiftung und erheblichen Folgekosten für die Stadt bezüglich Betrieb und Umfeld. So stellt der 41.000 Quadratmeter große graue Kasten am Wasser…